VITO zeigt, wie sich kreislauffähiges Wirtschaften Schritt für Schritt in den Betriebsalltag integrieren lässt – von der Vermeidung von Lebensmittelverlusten über die Förderung von Mitarbeitendenideen bis hin zu ReUse in der Innenraumgestaltung. Im Gespräch erzählt Annina von Falkenstein, CEO von VITO, was am Austausch mit anderen KMU besonders wertvoll ist und woher die besten Ideen kommen.
VITO war Gastgeberin bei einem C-Lounge-Event, wo Unternehmer:innen verschiedener Branchen über Kreislaufwirtschaft sprachen. Warum sind branchenübergreifende KMU-Netzwerke wichtig, um Kreislaufwirtschaft voranzubringen?
Der Austausch mit anderen Unternehmen hat uns positive Energie gegeben und gezeigt, dass wir bereits mehr machen, als wir selbst oft wahrnehmen. Im Tagesgeschäft liegt der Fokus verständlicherweise darauf, dass Restaurants, Produktion und Prozesse funktionieren. Da vergisst man schnell, welche Fortschritte bereits erreicht wurden.
Gerade deshalb sind Formate wie die C-Lounge wertvoll. Sie bringen Menschen aus unterschiedlichen Branchen zusammen, die ähnliche Herausforderungen erleben. Oft entstehen neue Ansätze nicht innerhalb der eigenen Branche, sondern durch Perspektiven von aussen. Gleichzeitig gibt es Mut zu sehen, dass Kreislaufwirtschaft kein Zustand ist, den man mit einer Umstellung vollständig erreicht, sondern ein Prozess. Jede Verbesserung zählt und jeder Schritt bringt Unternehmen weiter.
Für KMU ist das besonders wichtig. Die wenigsten verfügen über eigene Teams, die sich ausschliesslich mit Nachhaltigkeit beschäftigen können. Der Austausch mit anderen Unternehmen schafft deshalb neue Impulse, die sich direkt in den eigenen Betrieb mitnehmen lassen.
In der Gastronomie ist es ein wichtiges Anliegen, Lebensmittel nicht wegwerfen zu müssen. Wie verhindert VITO Lebensmittelverluste?
Lebensmittelverluste zu vermeiden ist für uns auch eine wirtschaftliche Frage. Bereits seit Jahren arbeiten wir mit «Too Good To Go» zusammen und geben Produkte, die am Ende des Tages übrig bleiben, zu einem reduzierten Preis weiter. So werden sie noch genossen statt entsorgt.
Entscheidend ist es aber auch, dem Team Handlungsspielraum zu geben. Frischeprodukte wie Tiramisu haben eine begrenzte Haltbarkeit. Anstatt nur auf Umsatzzahlen zu schauen, ermutigen wir unsere Mitarbeitenden, situativ Lösungen zu finden – beispielsweise ein Produkt zu verschenken oder auch mal “zwei für eins” anzubieten. Wichtig ist, dass die Lebensmittel genossen werden können und nicht im Abfall landen.
Die besten Optimierungs-Ideen entstehen direkt im Team. Ein Beispiel sind unsere Dörrtomaten. Statt im Winter Cherrytomaten mit langen Transportwegen einzusetzen, die nicht mal viel Geschmack haben, verwenden wir nun getrocknete Tomaten. Das ermöglicht ein viel besseres Geschmackserlebnis – konserviert aus der Hochsaison, ohne Zusatzstoffe. Solche Lösungen entstehen bei uns, weil Mitarbeitende bestehende Abläufe hinterfragen und neue Vorschläge einbringen. Genau diese Offenheit möchten wir fördern.
Der Kreislauf-Ansatz geht bei VITO aber übers Essen hinaus. Wie wird aus ReUse ein Teil des Gästeerlebnisses?
Wir verwenden viele Secondhand-Möbel in den Restaurants. Das ReUse-Konzept begann in diesem Fall nicht primär aus dem Nachhaltigkeitsgedanken heraus, sondern aus dem Wunsch, Orte mit Charakter zu schaffen. Gebrauchte Materialien und Möbel wirken oft wärmer, authentischer und gemütlicher als eine vollständig neue Einrichtung.
Deshalb suchen wir bewusst nach Objekten mit Geschichte. In unseren Restaurants finden sich beispielsweise Möbel und Materialien aus Brockis oder Elemente, die ein zweites Leben erhalten haben. In einer Filiale wurden lange Sitzbänke mit umfunktionierten Rollläden verkleidet. Solche Details fallen auf, schaffen Gesprächsstoff und verleihen einem Raum Identität.
Für unsere Gäste entsteht dadurch eine angenehmere Atmosphäre. Gleichzeitig verlängern wir die Nutzungsdauer von Materialien. Für uns zeigt dieses Beispiel sehr schön, dass sich Kreislaufwirtschaft, Design und wirtschaftlicher Nutzen nicht ausschliessen, sondern gegenseitig verstärken können.
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