Drei Fragen an…

Andrea Annaheim über das Textil-Upcycling-Projekt im Coop City am Marktplatz

Was passiert mit Textilien, wenn sie ihren ursprünglichen Zweck erfüllt haben? Diese Frage beschäftigt immer mehr Unternehmen – nicht zuletzt angesichts wachsender Textilabfälle und steigender Anforderungen an einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen.

Gemeinsam mit der Fair Fashion Factory hat Coop in Basel gezeigt, wie aus vorhandenen Textilien neue Produkte entstehen können. Andrea Annaheim, Brandmanagerin Textil bei Coop, erklärt, weshalb solche Projekte wichtig sind und wie sich der Umgang mit Textilien derzeit verändert.

Vom Arbeitskittel zum Designstück: Wie entstand die Zusammenarbeit von Coop mit der Fair Fashion Factory?

Zwischen der Fair Fashion Factory und Coop besteht bereits seit längerer Zeit ein Austausch. In diesem konkreten Fall trat die Fair Fashion Factory mit einem Upcycling-Projekt an Coop heran: Die Designer:innen waren auf der Suche nach Materialien, die sich für eine kreative Weiterverarbeitung eignen.
Für Coop bot sich damit die willkommene Möglichkeit, bestehende, überzählige oder gebrauchte Textilien aus dem Geschäft als Ressource zur Verfügung zu stellen und in einem neuen Kontext sichtbar zu machen. Das Projekt zeigte, dass diese Textilien Potenzial für ein zweites Leben haben.

Was machte den Pop-Up-Store «Archive Revival» in Basel besonders?

Ende April zog im Eingangsbereich des Coop-City-Warenhauses am Basler Marktplatz für eine kurze Zeit ein ungewöhnlicher Laden ein: Die Fair Fashion Factory präsentierte dort Einzelstücke, die aus gebrauchten Textilien entstanden sind, und machte so Kreislaufwirtschaft für die Kundschaft direkt erlebbar.
Ausgestellt und verkauft wurden neu gestaltete Kleidungs- und Heimtextilien. Verarbeitet wurden unter anderem Materialien aus dem Hotelbereich sowie gebrauchte Arbeitskleidung, darunter auch Textilien von Coop. Die Designer:innen betreuten den Pop-Up-Store selbst und kamen mit den Besuchenden ins Gespräch. Das Interesse war gross. Viele Menschen nutzten die Gelegenheit, um mehr über die Wiederverwendung von Textilien zu erfahren. Neben spontanen Besuchenden kamen auch zahlreiche Personen gezielt wegen des Pop-Up-Stores ins Warenhaus.

Die Textilberge wachsen weltweit. Ist in der Branche ein Umdenken spürbar?

Der Anteil an Unternehmen, die sich bewusster mit dem Umgang mit Textilien auseinandersetzen und Nachhaltigkeit stärker in ihre Geschäftsmodelle integrieren, nimmt zu. Gleichzeitig führen regulatorische Entwicklungen – etwa in der EU – dazu, dass sich Unternehmen vertiefter mit diesem Thema befassen und nach konkreten Lösungen suchen. Auch bei Coop laufen bereits verschiedene Massnahmen und Pilotprojekte. So gibt es beispielsweise einen Secondhand-Shop für gebrauchte Arbeitskleidung. Zudem wird an einer umfassenden Strategie für Textilien gearbeitet, die nicht mehr weiterverwendet werden können. Insgesamt ist Bewegung in der Branche erkennbar. Gleichzeitig besteht weiterhin grosser Handlungsbedarf. Projekte wie die Zusammenarbeit mit der Fair Fashion Factory liefern wertvolle Erkenntnisse dazu, welche Ansätze im Umgang mit bereits verwendeten Textilien praktikabel und umsetzbar sein können – und wie Materialien möglichst lange im Kreislauf gehalten werden können. Besonders eindrücklich war für mich persönlich, ehemalige Coop-Artikel in einem völlig neuen Licht zu sehen.

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