Das Präsidium von BaselCircular hat Reto Baumgartner nicht aus Aktivismus-Drang übernommen, sondern aus einer strategischen Perspektive. «Ich habe es als Chance verstanden, KMU früh einzubinden», sagt der Direktor des Gewerbeverbands Basel-Stadt. Mit den kantonalen Klimazielen ergäben sich neue Rahmenbedingungen, die für Unternehmen sowohl Herausforderungen als auch wirtschaftliche Möglichkeiten mit sich bringen.
Wertvolle Material-Ressourcen
Kreislaufwirtschaft ist für Reto Baumgartner dabei kein grundsätzlich neues Konzept. In vielen Gewerbebetrieben sei ein sparsamer Umgang mit Ressourcen seit jeher Teil des Geschäftsmodells. «Viele arbeiten effizient. Sie lagern zum Beispiel gebrauchte Materialien ein, weil sie wertvolle Stoffe nicht einfach entsorgen wollen. Sie tun dies, ohne es explizit als Kreislaufwirtschaft zu bezeichnen.» Dieses ausgeprägte Ressourcenbewusstsein bilde eine wichtige Voraussetzung für eine künftige breite Verankerung der Kreislaufwirtschaft, auch wenn sich dies bisher oft auf den eigenen Betrieb beschränke.
Der Stand bei den verschiedenen KMU sei insgesamt sehr unterschiedlich. Während einzelne Unternehmen bereits bewusst konkrete Massnahmen umsetzen, sei das Thema in anderen Betrieben noch kaum auf der Agenda. Insbesondere entlang der Liefer- und Wertschöpfungsketten bestehe noch grosses Entwicklungspotenzial. Ziel von BaselCircular sei es deshalb, jenen Unternehmen, die bereits erste Schritte gemacht hätten, eine Plattform zu geben und sie bei weiteren zirkulären Lösungen zu unterstützen. Diese Unternehmen können so als Orientierung für andere dienen. «Gute Beispiele haben eine Vorbildfunktion.»
Kostenlose Beratung als Einstieg
Ein zentrales Angebot sieht Reto Baumgartner in der kostenlosen Erstberatung von BaselCircular und Basel2037. «Für ein Unternehmen ist das eine Chance, eine erste Einschätzung und einen Kompass zu erhalten.» Dabei ist für Reto Baumgartner entscheidend, dass sich Investitionen in die Kreislaufwirtschaft langfristig rechnen. Ein zusätzlicher Treiber seien steigende Anforderungen von Auftraggeber:innen und Kund:innen. Diese würden immer mehr an Bedeutung gewinnen.
BaselCircular & Basel2037
BaselCircular hat den Auftrag, KMU beim Übergang zu kreislauffähigen Geschäftsmodellen zu unterstützen – durch Vernetzung, Wissenstransfer und konkrete, massgeschneiderte Angebote.
Basel2037 unterstützt KMU auf dem Weg zum kantonalen Netto-Null-Ziel.
Beide Programme arbeiten eng zusammen, unter anderem bei der kostenlosen Erstberatung für Unternehmen.
Fokus auf Umsetzung
Nach der Aufbauphase sieht Reto Baumgartner BaselCircular organisatorisch gut aufgestellt. Nach der Erarbeitung der Strategie liege der Fokus nun stärker auf der Umsetzung. Künftig sollen KMU noch gezielter angesprochen werden, unter anderem über branchenspezifische Austauschformate. «Wenn Betriebe aus der eigenen Branche Lösungen aufzeigen, steigt die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen.»
Komplexere Fragestellungen wie die Nutzung branchenübergreifender Stoffkreisläufe erforderten mehr Zeit als erste, bereits erprobte Lösungen. Im Tagesgeschäft würden oft die Kapazitäten fehlen, um über den eigenen Betrieb hinaus zu denken. Netzwerke und Plattformen, wie sie von BaselCircular gefördert werden, könnten hierbei unterstützen.
Weitere sichtbare Vorbilder sind das Ziel
Seine Motivation für das BaselCircular-Präsidium beschreibt Reto Baumgartner weiterhin pragmatisch. Der Gewerbeverband Basel-Stadt übernehme selbst eine Vorbildrolle, auch wenn die Hebel als Dienstleistungsbetrieb begrenzt seien. Entscheidend sei nicht Perfektion, sondern Sichtbarkeit. «Ich messe den Fortschritt nicht in Zahlen, sondern an Beispielen, die andere dazu bringen, sich ebenfalls auf den Weg zu machen.»
Hier geht’s zur Kreislaufwirtschafts-Veranstaltung des Gewerbeverbandes vom 5. März 2026.
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