Kreislauf-Kopf des Monats

Pionierin des zirkulären Bauens

Barbara Buser denkt Bauen vom Bestand her: erhalten, umbauen, wiederverwenden. Der Film «Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit» porträtiert die aussergewöhnliche Basler Architektin und ihr Engagement für Kreislaufwirtschaft. Er kommt am 16. April in die Schweizer Kinos.

Einmal pro Woche steht Barbara Buser auf der Münsterfähre und setzt über den Rhein. Seit 30 Jahren macht sie das. «Auf dem Fluss zu sein, ist für mich Psychohygiene. Alles, was mich belastet, lasse ich den Rhein hinunter schwimmen», sagt Barbara Buser.
Seit deutlich mehr als drei Jahrzehnten arbeitet die heute 72-Jährige darauf hin, Ressourcen im Bauwesen im Umlauf zu halten – Gebäude zu erhalten, Materialien weiterzuverwenden und Abrisse zu vermeiden.

Vom Gundeli in die Welt

Den sprichwörtlichen Grundstein für Barbara Busers Interesse an nachhaltigem Bauen weckte ein Ereignis in ihren Jugendjahren: Mit 18 Jahren erlebte sie, dass das Haus ihres Urgrossvaters im Basler «Gundeli» verkauft und abgerissen werden sollte. «Der Gedanke daran schmerzte mich, weil es ein Identitätsverlust und Materialverschwendung war», sagt Barbara Buser rückblickend. Mit viel Überzeugungsarbeit schaffte sie es, das Haus innerhalb der Familie zu erhalten und es später selbst zu kaufen und zu renovieren. Danach studierte Barbara Buser Architektur an der ETH Zürich.

Sie bewarb sich für ein Brunnenbauprojekt im Südsudan, später arbeitete sie in Tansania für die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit. Was als Hilfsprojekt begann, wurde zur Lebensschule. «Ich habe Vieles in Afrika gelernt», sagt Barbara Buser heute – «die Reparaturfähigkeit, den Umgang mit Ressourcen, die soziale Verantwortung». Nicht zuletzt lernte sie auch, sich als Frau durchzusetzen und den Menschen zuzuhören.

Kreislauf als Struktur

Zurück in Basel machte sich Barbara Buser selbständig und gründete ihr eigenes Büro. 1995 startete sie mit der Bauteilbörse Basel. Die digitale Vermittlungsplattform entwickelte sich zu einem Lager mit Werkstatt. In der Bauteilbörse werden gebrauchte Bauteile sorgfältig geprüft, gereinigt, und wieder in Umlauf gebracht. Menschen in Beschäftigungsprogrammen arbeiten beim Rückbau, Aufbereitung und Verkauf mit.

Später gründete Barbara Buser zusammen mit Eric Honegger das «baubüro in situ», das heute an mehreren Standorten ressourcenschonende Umnutzungen realisiert. Barbara Buser ist zudem an der Gründung verschiedener weiterer Firmen beteiligt, darunter die Nomol AG zur Rettung und Weiternutzung hochwertiger Stahlküchen. Barbara Buser verfolgt mit ihren Firmen bewusst eine Philosophie:  «Die Firmen sollen denen gehören, die da arbeiten. So fällt es mir dann auch leichter, ein «Kind» wieder loszulassen.»

Ob gerettete Stahlküchen, Möbel aus Basler Lagerhallen oder Fenster, die statt entsorgt in die Ukraine geschickt werden: Barbara Busers Projekte zeigen, wie in der Kreislaufwirtschaft die Aspekte sozial, ökologisch und ökonomisch zusammenkommen. «Das sind die drei Säulen der Nachhaltigkeit: Menschen, Material und Geld», sagt sie.

Projekte und Stadtentwicklung

Zu Barbara Busers zahlreichen bekannten Umnutzungsprojekten zählt das Gundeldinger Feld in Basel, ein 12’000 m² grosses Quartierzentrum auf dem Areal der ehemaligen Maschinenfabrik Sulzer-Burckhardt, das mit Theater, Konzertflächen, Bistro, Kletterhalle, Zirkusschule, Hostel, Bücherschrank rund 80 Mieter:innen sozialen und kulturellen Austausch ermöglicht.

Weitere grossflächige Transformationen sind das Walzwerk in Münchenstein und das Hanro-Areal in Liestal oder der Lagerplatz in Winterthur. Aktuell arbeitet Barbara Buser mit ihren Unternehmen an der Umnutzung des Franck-Areals, wo frühzeitig wiederverwendbare Materialien gesammelt werden.

Barbara Buser bezeichnet sich selbst als politisch, aber parteilos. Institutionelle Politik gehe ihr zu langsam; «Ich mag es nicht, lange zu reden. Ich will umsetzen, ausprobieren, beweisen, dass es geht.» Und wenn es darum gehe, etwas zu bewegen, müsse manchmal auch etwas ziviler Ungehorsam sein.

Die Zitate im Text sind einem Artikel von Beat Glogger entnommen, erschienen in einer Publikation der Geigy Stiftung (S. 88 ff).

👉 Nicht verpassen! Über Barbara Buser gibt es neu einen Kinofilm – die Vorpremière in Basel am 15. April, Barbara Buser ist persönlich mit dabei und stellt sich im Anschluss an den Filme den Fragen des Publikums.
Hier ist der Trailer zum Film «Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit»:

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