Drei Fragen an…

Pascal Heimann zur Anschaffung einer Strickmaschine

Textilien wieder dort produzieren, wo sie entworfen werden: Die industrielle Textilproduktion soll zurück nach Basel kommen. Die erste Strickmaschine ist da.

Mit einem Crowdfunding hat die Fair Fashion Factory eine moderne Strickmaschine gekauft. Damit verbunden ist ein Konzept zur gemeinsamen Nutzung durch Designer:innen und kleine Labels. Projektleiter Pascal Heimann erklärt im Kurzinterview, warum er die lokale Textilproduktion für ein Schlüsselelement mit grossem Impact hält.

Wie kam es dazu, dass ihr eine Strickmaschine per Crowdfunding finanziert habt?

Die Fair Fashion Factory arbeitet seit rund drei Jahren daran, in Basel wieder eine lokale industrielle Textilproduktion aufzubauen. Die Idee dahinter: eine Branche, die traditionell in Basel verankert war, zurück zu bringen.
Bei der Suche nach geeigneten Verfahren stiess das Team auf das Flachstrickverfahren. Es ist ideal für kleinere Serien und experimentelle Produktionen. Deshalb reiste das Team nach Reutlingen zum Maschinenhersteller Stoll, um mögliche Anlagen zu prüfen. Bei Gesprächen mit potenziellen Investoren zeigte sich schnell: Alle wollten zuerst ein Produkt sehen. Ohne Maschine gab es jedoch keinen Prototyp – und ohne Prototyp keine Finanzierung. Die Lösung war ein Crowdfunding, für welches sich das Team entschied. Für dessen Umsetzung brachte uns die Christoph Merian Stiftung mit der Startup Academy Basel zusammen, die uns dabei unterstützte. Mit dieser ersten Maschine kann die Fair Fashion Factory einen Proof of Concept für lokale Textilproduktion schaffen.
Eine unerwartete Wendung half zusätzlich: Kurz vor dem Start des Crowdfundings meldete der Maschinenhersteller Konkurs an. Das ist zwar schade, aber dadurch konnte eine moderne Vorführmaschine deutlich günstiger erworben werden – genau jene Maschine, die das Team zuvor vor Ort getestet hatte.

Was ermöglicht diese Strickmaschine konkret – und warum ist sie für lokale Produktion so spannend?

Die Technologie erlaubt eine erstaunlich effiziente Produktion. Die programmierten Produkte kommen fixfertig aus der Maschine, ohne zusätzliche Verarbeitungsschritte. Genau so funktioniert auch das erste Projekt, das wir realisieren: die Schals für die Unterstützer:innen des Crowdfundings. Für das Design arbeiteten wir mit dem VORN Hub in Berlin zusammen, einer urbanen Strickfabrik. Dort programmierte eine Spezialistin die Strickkonstruktion für den Schal. Dieses Programm konnten wir nun direkt auf der Maschine in Basel übernehmen. Vor wenigen Wochen nahmen wir die Maschine in Betrieb, in einer ersten Schulung wurden die ersten Test-Schals produziert – ein wichtiger Meilenstein. Gleichzeitig beginnt nun der Aufbau von lokalem Know-how: Designer:innen und Fachpersonen lernen Schritt für Schritt, wie sich die Maschine programmieren und bedienen lässt. Denn künftig soll die Infrastruktur gemeinsam genutzt werden. Kleine Labels oder Designer:innen können hier Prototypen entwickeln oder kleinere Serien produzieren, ohne selbst teure Maschinen anschaffen oder den nötigen Platz dafür suchen zu müssen.

Warum ist lokale Textilproduktion für dich ein wichtiger Baustein der Kreislaufwirtschaft?

Das begründet sich gleich auf mehreren Ebenen. Als Textildesigner kenne ich die Vorteile, wenn Gestaltung und Produktion nah beieinander sind. Innovation entsteht oft genau dort, wo Designer:innen und Maschinenführer:innen gemeinsam experimentieren können.
Lokale Produktion verkürzt ausserdem Lieferketten und schafft mehr Transparenz in der Wertschöpfung. Das wird auch für Konsument:innen sichtbar: Wenn nachvollziehbar ist, wie ein Kleidungsstück entsteht und wie viel Arbeit darin steckt, verändert sich der Blick auf seinen Wert. Gleichzeitig eröffnet die lokale Infrastruktur neue Möglichkeiten für echte textile Kreisläufe. Die Fair Fashion Factory arbeitet beispielsweise auch an einem grossen Projekt zur Sortierung von Altkleidern. Langfristig könnte daraus ein geschlossener Prozess entstehen: alte Textilien sortieren, Fasern mechanisch recyceln, neues Garn herstellen – und daraus eigene Produkte stricken.
Textilien eignen sich besonders gut dafür, ein Bewusstsein für sinnvolle Kreisläufe zu schaffen. Nach Lebensmitteln sind sie das Material, das unserem Körper am nächsten kommt. Genau deshalb kann die Idee der Kreislaufwirtschaft hier besonders verständlich und greifbar werden.

Hier erfährst du mehr über die Fair Fashion Factory.

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