Trotz steigender Klimaschutz-Bemühungen nimmt der Materialverbrauch weiter zu. Dies gefährdet die Klimaziele direkt, Netto-Null ist ohne Kreislaufwirtschaft nicht erreichbar.
Mit dem GCP ist ein globaler freiwilliger Standard verfügbar, der Unternehmen einen standardisierten Ansatz zur Messung, Steuerung und Kommunikation von Kreislaufwirtschaft bietet. Der Standard ist (noch) nicht verpflichtend, hat aber eine grosse normative Kraft – ähnlich wie frühere freiwillige Rahmenwerke, aus denen später verbindliche oder anerkannte Standards entstanden, wie das Greenhouse Gas Protocol, welches im Jahr 2001 erschien.
Das GCP bietet Unternehmen eine wissenschaftsbasierte, global harmonisierte Methode, um
- die Nutzung von Ressourcen zu optimieren,
- Abfall zu vermeiden,
- Emissionen zu senken und
- strategische Chancen in der Kreislaufwirtschaft zu nutzen.
“At the halfway point to 2030, the gap between ambition and delivery remains wide: while decarbonization is accelerating, material use and waste continue to rise, undermining both climate and nature goals. Net zero cannot be achieved without circularity.” Peter Bakker, WBCSD
Organisationen können ihre Messung auf drei Ebenen durchführen: Auf dem Material- oder Ressourcenniveau, auf dem Produkt- oder Dienstleistungsniveau und auf der Organisationsebene.
Nachfolgend eine Übersicht über die wichtigsten Ansätze:
Das GCP empfiehlt Unternehmen einen Fünf-Schritte-Ansatz zur Steuerung ihrer zirkulären Leistung.
- Ziele pro Anwendungsebene festlegen.
- Bewertung vorbereiten, Systemgrenzen definieren, potenzielle Risiken und Chancen identifizieren.
- geeignete Indikatoren auswählen, messen und erfassen.
- Management der Ergebnisse: Daten analysieren, priorisierte Massnahmen ableiten, Verbesserungen umsetzen.
- Kommunikation der Erkenntnisse an externe Stakeholder (etwa Investoren, Geschäftskunden und Lieferanten).
Das GCP strukturiert seine Indikatoren, basierend u. a. auf den Circular Transition Indicators (CTI) der WBCSD v4.0 aus dem Jahr 2024, in vier Themenmodule:
- Close the Loop – misst den Anteil zirkulärer Materialflüsse (z. B. den Recycling‑Input).
- Narrow and Slow the Loop – bewertet Materialeffizienz und Lebensdauerverlängerung von Produkten.
- Value the Loop – quantifiziert den wirtschaftlichen Wert von Zirkularität, etwa den Umsatzanteil aus zirkulären Geschäftsmodellen.
- Impact of the Loop – misst Auswirkungen auf Klima, Natur und soziale Faktoren, um Synergien mit ESG‑ und Klimazielen sichtbar zu machen.
An der Entwicklung des GCP waren über 80 Organisationen und mehr als 150 Expert:innen beteiligt. Es wurde vom World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) in Zusammenarbeit mit dem One Planet Network vom United Nations Environment Programme (UNEP) der UNO verfasst und soeben an der COP 30 Klimakonferenz in Brasilien vorgestellt.
Ein besonderes Augenmerk legten die Autor:innen auf die Verbindung mit etablierten anderen, etablierten Nachhaltigkeitsstandards (wie den GRI‑Standards (z. B. GRI 301, 306) zur Einbindung in ESG-Offenlegungspflichten, GHG Protocol für die Klimabilanzierung von Material- und Energieflüssen sowie ESRS, um in die regulatorischen Berichtsanforderungen der EU und der internationalen Finanzwelt zu passen, etc.).
Das Global Circularity Protocol for Business schliesst eine entscheidende Lücke: Es macht Kreislaufwirtschaft messbar, vergleichbar und kommunizierbar – über unterschiedliche Branchen, Unternehmensgrössen und Regionen hinweg.
Das vollständige Protokoll (Englisch, ca. 230 Seiten) mit vielen Praxis- und Rechenbeispielen ist online verfügbar: https://www.wbcsd.org/resources/a-global-framework-to-measure-manage-and-communicate-business-circularity/