Mit dem Klima-Award von Basel-Stadt wurde die Freie Gemeinschaftsbank für einen Business-Ansatz ausgezeichnet, der weit zurückreicht: Seit ihrer Gründung finanziert die Bank ökologische und soziale Projekte. Max Ruhri, Mitglied der Geschäftsleitung, erklärt, warum gute Absichten heute messbare Wirkung brauchen, weshalb eine Bank mehr als Geld bereitstellen kann – und welche Rolle ein starkes regionales Netzwerk spielt.
Nachhaltigkeit gehört seit der Gründung zur DNA der Freien Gemeinschaftsbank. Wie hat sich nachhaltiges Banking seit den Anfangsjahren verändert?
Als unsere Bank entstand, war das Umfeld ein anderes. Bioläden entwickelten sich beispielsweise gerade erst, und Projekte aus der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, Steiner Schulen oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderung suchten nach passenden Finanzierungsmöglichkeiten. Unsere Aufgabe war es, für solche ökologischen und sozialen Vorhaben gute Lösungen zu finden. Nachhaltigkeit war damit von Anfang an zentraler Bestandteil unseres Geschäfts.
Verändert hat sich im Vergleich mit damals insbesondere der Anspruch, die Wirkung, die wir erzielen, nachvollziehbar zu machen. Früher dachten wir: Wir finanzieren ohnehin nachhaltige Projekte – warum sollten wir das zusätzlich messen? Heute wissen wir, dass wir auch zeigen müssen, was unser Handeln bewirkt. Berichte, Standards oder B-Corp-Zertifizierungen gehören inzwischen selbstverständlich zur Nachhaltigkeitswelt. Das war in den Anfangsjahren unserer Bank noch völlig anders.
Wie bildet sich Ihr Selbstverständnis als nachhaltige Bank in Ihrem Angebot und Ihrer Arbeit ab?
Wir wollen als Bank kein «Machtzentrum» sein, sondern einen Resonanzraum schaffen. In diesem Sinne wollen wir gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden ein Ökosystem schaffen, in dem sich nachhaltige Ideen gegenseitig verstärken.
Am Beispiel des Klima-Award lässt sich dies gut erklären: Neben uns waren auch die Leckerlimanufaktur Spalentor und Tarzan im Finale. Aus diesem Kontakt möchten wir Beziehungen entwickeln: Wo können wir miteinander Geschäfte machen? Was können wir voneinander übernehmen? Was können wir einander anbieten? Wenn solche Verbindungen entstehen, wird das Netzwerk dichter – und nachhaltige Ideen können sich weiterentwickeln.
Eine Bank stellt in diesem Verständnis also nicht einfach nur Kapital bereit. Sie kann Menschen und Unternehmen verbinden und damit neue Wirtschaftsbeziehungen ermöglichen. Unsere Kundinnen und Kunden entscheiden mit ihrem Konsum ja auch, welche Angebote sich durchsetzen.
Wir setzen bei unseren Angeboten weniger auf Bonussysteme und andere äussere Anreize als auf intrinsische Motivation. Unsere Kreditberaterinnen und -berater begeistern sich auch selber für die Projekte, die sie begleiten. Diese Begeisterung überträgt sich. Unsere Weiterempfehlungsrate ist entsprechend hoch.
Wie wichtig ist der Standort Basel, wo Nachhaltigkeit auch in global unsicheren Zeiten, einen hohen Stellenwert behält?
Basel ist für uns als Standort sehr wichtig. Themen wie Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft werden hier von vielen Akteurinnen und Akteuren kontinuierlich weitergetragen. Das schafft einen Resonanzraum, in dem Unternehmen und Ideen nicht isoliert bleiben. Das macht einen grossen Unterschied.
Aber ein solches Umfeld ist nicht einfach da. Es entsteht, weil viele es mitpflegen. In diesem Sinne ist unsere Art des Bankings ein «Pflegeberuf». Wir leisten unseren Beitrag dazu, genauso wie andere Unternehmen und Organisationen in der Region. Ich sehe darin eine enorm wichtige Aufgabe: nicht nur das nächste grosse Projekt realisieren zu wollen, sondern Beziehungen, Netzwerke und gute Entwicklungen langfristig zu pflegen.
Auf der Webseite der Freien Gemeinschaftsbank Genossenschaft erfährst du mehr über das Unternehmen, das den Klima-Award 2026 gewonnen hat.
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