Drei Fragen an…

Guy Vincent über das Erfolgsgeheimnis von Amsterdam.

Was kann Basel konkret von Amsterdam lernen, wenn es um das Etablieren der Kreislaufwirtschaft geht? Mehr als man denkt.

Guy Vincent teilt Learnings aus Amsterdam und sagt, dass in einer guten Abstimmung zwischen unterschiedlichen Stakeholdern die grösste Chance liegt.

Warum ist Amsterdam heute Vorreiterin der Kreislaufwirtschaft – was war Schlüssel zum Erfolg?

Amsterdam hat nicht einfach Projekte gestartet, sondern die Strategie auf einem neuen wirtschaftlichen Ansatz basiert. Mit der Donut-Ökonomie von Kate Raworth hat die Stadt ein Modell gewählt, das ökologische Grenzen und soziale Bedürfnisse verbindet. Entscheidend war aber der nächste Schritt: Die Stadt hat daraus ihre konkrete Politik abgeleitet.
Seit 2020 setzt die «Circular Implementation Agenda» klare Prioritäten – unterstützt durch eigene Budgets, Programme und eine spezialisierte Verwaltung. Kreislaufwirtschaft ist damit nicht nur Strategie, sondern Teil von Beschaffung, Förderung und Regulierung. Genau diese Konsequenz schafft Verlässlichkeit für Unternehmen und bringt Themen in die Umsetzung.

Wie funktioniert das Zusammenspiel von Startups, KMU und weiteren Partnern in der Praxis?

Kreislaufwirtschaft passiert nicht im Alleingang. Ein Startup kann ein innovatives Produkt entwickeln, doch ohne Partner für Rücknahme, Reparatur oder Wiederaufbereitung endet der Kreislauf beim Verkauf.
In der Praxis arbeiten deshalb mehrere Akteure zusammen: Startups als Innovationstreiber, KMU für die Produktion, Logistikpartner für die Rückflüsse oder spezialisierte Betriebe für die Wiederaufbereitung. Der Knackpunkt ist nicht die Idee, sondern die Abstimmung: Wer übernimmt welche Rolle? Wer verdient wann woran?
Genau hier entsteht oft Reibung. Erfolgreiche Modelle brauchen deshalb eine klare Führung entlang der Wertschöpfungskette. Diese Rolle übernehmen sogenannte «Chain Orchestrators». Sie bringen die Partner zusammen, moderieren Interessen und sorgen dafür, dass ein Geschäftsmodell entsteht, das für alle funktioniert.

Was bedeutet das konkret für Städte wie Basel – wo sollte man ansetzen?

Der wichtigste Schritt ist, bei der Analyse des eigenen Ökosystems zu starten. Welche Unternehmen sind bereits aktiv? Wo gibt es Know-how – und wo fehlen zentrale Bausteine, etwa in Rücknahmesystemen oder Aufbereitung?
Hier können Städte ansetzen: Lücken identifizieren, gezielt fördern und Akteur:innen vernetzen. Amsterdam geht noch weiter und erhöht den Druck auf sich selbst bewusst: Die Stadt hat sich strenge gesetzliche Vorgaben gemacht und ist dadurch auch rechtlich angreifbar, wenn sie ihre Bevölkerung nicht ausreichend vor Klimafolgen schützt. Das zwingt zur Umsetzung von griffigen Massnahmen. Das ist in dieser Form einzigartig.
Gleichzeitig zeigt sich: Fortschritt entsteht im Austausch. Städte, Unternehmen und Initiativen lernen voneinander, indem sie sich vernetzen, besuchen und offen über Herausforderungen sprechen. Die Kreislaufwirtschaft wächst nicht isoliert – sondern als gemeinsames System. Mein Appell: Lasst uns öfter zusammen Kaffee trinken!

Am Full Circle Symposium 2026 war Guy Vincent einer der Referenten. Einen Eindruck der zweitägigen Veranstaltung vermittelt dir dieses Video:

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