Mit Save the Yarn kauft Gry Krøjer Persson überschüssige Garne von Fabriken und Unternehmen und bringt sie zurück in den Kreislauf. Im Gespräch erzählt sie, woher diese Garne kommen, was sonst mit ihnen passiert und wie daraus ein Angebot für Strick- und Häkelbegeisterte entsteht.
Wo fallen Garnüberschüsse an, was hat das für Dimensionen, und wie kommt Save the Yarn ins Spiel?
Wie gross die Überschüsse insgesamt sind, lässt sich nur schwer beziffern. Die Textilbranche ist riesig und ich arbeite nur mit einem kleinen Teil der Fabriken zusammen. Es geht sicher um mehrere Tonnen Garn pro Jahr. Wie viel Überschuss genau anfällt und welcher Teil davon weiterverwendet oder vernichtet wird, kann ich aber nicht sagen. Die Gründe für die Überschüsse sind unterschiedlich. Manchmal wurde für eine Kollektion zu viel Garn eingefärbt, manchmal handelt es sich um Material aus Testproduktionen. Ein Teil davon wird über Jahre gelagert, manches wird anderweitig weiterverwendet oder weiterverkauft. Es gibt aber auch Garne, die vernichtet oder verbrannt werden. Ich kaufe solche Überschüsse auf und verkaufe dieses gerettete Garn bei Save the Yarn weiter. Meine Kapazitäten sind natürlich begrenzt, deshalb kann ich nur einen Teil des Überschusses nehmen.
Wie wird aus einem industriellen Garn ein Produkt für Menschen, die zu Hause stricken oder häkeln?
Entweder kontaktiere ich Fabriken direkt oder Unternehmen kommen auf mich zu. Dabei bin ich bewusst wählerisch: Ich suche vor allem reine, natürliche und qualitativ hochwertige Materialien und verzichte möglichst auf Garne mit einem hohen Anteil an Polyester oder Acryl. Die Garne aus der Textilindustrie sind allerdings nicht unbedingt fürs Handstricken gemacht. Häufig kommen sie auf sehr grossen Spulen mit fünf Kilogramm oder mehr und sind sehr dünn. Manchmal kann eine Fabrik das Garn für mich zwirnen, sodass es sich anschliessend gut von Hand verarbeiten lässt. Danach kommt die Wolle in unser Lager und wird für den Onlineshop oder den Laden vorbereitet. Unsere Kundschaft besteht hauptsächlich aus Privatpersonen, die stricken oder häkeln. Spannend ist für sie neben dem Nachhaltigkeitsgedanken auch die besondere Auswahl: Wir haben Garne, die man bei klassischen Wollmarken so nicht unbedingt findet, und wir können sie zu guten Preisen anbieten.
Wie entwickelt sich Save the Yarn weiter?
Eigentlich entdecke ich ständig neue Möglichkeiten. Eine ganz neue Zusammenarbeit ist zum Beispiel mit einer Handfärberin aus Zürich entstanden. Wir bekommen teilweise grosse Mengen ungefärbter Wolle. Einen Teil dieser Garne lassen wir nun von ihr von Hand färben. Vor Kurzem ist daraus unsere erste Kollektion entstanden.
Ich schaue jedoch auch über das Garn hinaus. In der Strickwelt gibt es viele spannende Taschen, Accessoires und andere Produkte. Dabei begegne ich immer wieder Menschen mit tollen nachhaltigen Ideen – zum Beispiel einer Frau, die aus Restmaterialien der Möbelindustrie neue Produkte herstellt. Solche Dinge kann und muss ich nicht selbst produzieren. Stattdessen können wir uns gegenseitig unterstützen, und ich kann ausgewählte Produkte in meinem Laden anbieten. Ich habe noch viele weitere Ideen. Aber Save the Yarn ist eine One-Woman-Show mit zwei Teilzeitangestellten. Deshalb erfordert das Integrieren neuer Ideen und Angebote seine Zeit.
Die Firmenseite von Save the Yarn findest du über den Link.
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