François Gerber ist Geschäftsführer von Circular Economy Switzerland (CES), der nationalen Plattform für Kreislaufwirtschaft. Im Interview zum Jahreswechsel spricht er über politische Fortschritte im letzten Jahr, über reale Hürden – und darüber, warum BaselCircular für viele Regionen als Vorbild dient.
Was hat 2025 in der Kreislaufwirtschaft bewegt – und wo steht die Schweiz aktuell?
2025 war ein Jahr mit spürbarem Fortschritt, vor allem auf Gesetzesebene. Die Umsetzung von Gesetzesänderungen zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft hat viel Dynamik gebracht. Bei der Abfallhierarchie, bezüglich der Grauen Energie im Bau oder auch in der Verpackungsindustrie kamen Steine ins Rollen. Kreislaufwirtschaft ist in allen Sektoren sichtbarer geworden.
Als Organisation haben wir mit CES ebenfalls grosse Fortschritte gemacht und nun feste Standbeine in allen Sprachregionen und auch in der ländlichen und gebirgigen Schweiz.
In der Unternehmens-Praxis ist das Bild bezüglich der Transformation noch durchzogen. Zwar verankern immer mehr Firmen Kreislaufwirtschaft in ihrer Strategie – aber bei der konkreten Umsetzung bleibt Luft nach oben. Wir dürfen uns jedoch nicht täuschen lassen: Viele KMU handeln längst zirkulär, ohne es bewusst so zu nennen. Ressourcensparende Prozesse sind in vielen Betrieben längst normal– das sind Kreislaufstrategien, die von den Unternehmen oft einfach nicht als solche bezeichnet werden. Der reale Wandel ist weiter als die Statistik es glauben macht, davon bin ich überzeugt.
Auch in den Kantonen, in Politik und Verwaltung, wird das Bewusstsein für die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft stärker.
Du hast Basel-Stadt mit BaselCircular auch schon als schweizweites Vorbild bezeichnet. Was macht das Modell für dich besonders?
Basel hat geschafft, was in vielen Regionen noch fehlt: Netto-Null-Ziel und Kreislaufwirtschafts-Förderung gehen Hand in Hand. Eine Public-Private-Partnerschaft gibt für die Transformation zu einer zirkulären Wirtschaft Planungssicherheit und schafft Vertrauen. Natürlich bringt so ein Modell auch Erwartungen mit sich – etwa einen gewissen Leistungsdruck. Wer investiert, will Resultate sehen. Aber Kreislaufwirtschaft ist kein Projekt mit Start und Ziel – es ist ein langfristiger, dynamischer Wandel. BaselCircular setzt hier ein Zeichen und geht mit BaselCircular ambitioniert vor. Für uns bei CES ist es zentral, solche Partnerorganisationen zu haben.
Was sind deine Erwartungen für 2026 – und was braucht es jetzt?
Ich spüre, dass Kreislaufwirtschaft 2026 weiter an Bedeutung gewinnen wird. Immer mehr Kantone wollen aktiv werden, die Verwaltungen sind sensibilisiert und kennen ihre Vorbildrolle insbesondere im Beschaffungswesen – und auch Investor:innen sehen das Potenzial. Wissenschaft und Forschung tragen mit Studienarbeiten, Entwicklungen aber auch Ausbildungsgängen ihren wichtigen Teil dazu bei, dass die Wirtschaft auf das nötige Knowhow zurückgreifen kann. Die Voraussetzungen, dass sich das Thema weiter etabliert, sind also gut.
Mit CES wollen wir im neuen Jahr die nationale Plattform weiterentwickeln und uns als Anlaufstelle etablieren. Unser Ziel ist es, Regionen zu vernetzen und konkrete Wirkung zu erzielen.
Bei den KMU und Startups baue ich darauf, dass Kreislaufwirtschafts-Lösungen immer noch präsenter werden und die Umstellung weiter an Fahrt aufnimmt. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Dynamik von Basel übertragen können und weitere grosse Fortschritte erleben werden im neuen Jahr.
👉 Die Webseite von Circular Economy Switzerland (CES) findest du über diesen Link.