Christopher Moken, Mitgründer der US-Initiative Circular San Antonio, setzt auf Grassroots-Engagement, mutige Pilotprojekte und internationalen Austausch. Mit einer Delegation von rund 15 Personen hat er die Schweiz besucht. Basel beeindruckte ihn als Vorreiterin – hier entsteht, was in Texas noch fehlt: eine echte Infrastruktur für die zirkuläre Zukunft. Was Basel vormacht, gibt ihm Hoffnung und kann wegbereitend sein.
Was hat dich an der Kreislaufwirtschaft in Basel besonders beeindruckt – und was nimmst du für deine Arbeit mit Circular San Antonio mit?
Mich hat vor allem die Vision für das Franck Areal fasziniert – ein Areal, das systematisch für zirkuläre Nutzung geplant wird. Das deckt sich mit dem, was wir in Texas versuchen: Nutzungen auf bestehenden Flächen neu denken, statt neu zu bauen. Basel zeigt, wie stark zirkuläre Ansätze sein können, wenn Kanton, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam an einem Strang ziehen. Für uns ist das nicht nur inspirierend, sondern ein wichtiges Argument, wenn wir Entscheidungsträger:innen in San Antonio überzeugen wollen: Wenn es hier funktioniert, warum nicht auch bei uns?
Ihr arbeitet fast ohne Budget – wie gelingt euch trotzdem der Aufbau zirkulärer Strukturen?
Unsere Initiative entstand, weil engagierte Fachleute aus Bau, Abfall und Stadtentwicklung merkten: So wie bisher geht’s nicht weiter. Ein erstes Ergebnis ist unsere Rückbau Verordnung: In San Antonio dürfen Einfamilienhäuser nicht mehr abgerissen, sondern sie sollen rückgebaut werden. Das rettet wertvolle Materialien. Diese Verordnung soll auf alle Gebäude der Stadt ausgeweitet werden. Für mehr solche Fortschritte wollen wir die Kooperation mit Wirtschaft, Stiftungen und anderen NPOs sowie der Verwaltung stärken. Derzeit stemmen wir alles ehrenamtlich. Aber unser erster Circular Summit steht vor der Tür – er soll der Hebel sein, um die nötige Unterstützung zu sichern.
Was braucht es, damit wir Kreislaufwirtschaft – gemeinsam – rasch auch international skalieren?
Zwei Dinge: Erstens systematische Wissensvernetzung – der Austausch mit Städten wie Basel oder Kopenhagen gibt uns neue Perspektiven. Zweitens brauchen wir strukturierte Unterstützung auf nationaler Ebene. In den USA setzen wir uns für ein Netzwerk von Fachexpert:innen ein, die Städte konkret begleiten – ob beim Gebäuderückbau, im Umgang mit Food Waste oder bei Materialflüssen. Viele Herausforderungen sind global ähnlich. Warum also nicht Lösungen teilen, voneinander lernen – und gemeinsam schneller werden? Mein Wunsch: noch mehr Kooperation mit Partner:innen aus Europa. Das Potenzial ist riesig.
Den Besuch der Delegation in Basel haben wir auch in einem Video festgehalten:
Hier geht’s zur Webseite der Initiative Circular San Antonio.
Lust auf regelmässige Kreislaufwirtschafts-News? Abonniere unseren Newsletter!