Abfall als Wertstoff sehen

Warum es sich für Unternehmen lohnt, bei der Entsorgung genauer hinzuschauen.
Symbolbild (c) Göknur Bektas

Das Thema Abfallentsorgung hat in vielen Unternehmen oft eine geringe Priorität. Wichtig ist vor allem, dass Materialien unkompliziert aus dem Betrieb abgeführt werden. Abfälle sollten jedoch als Wertstoffe betrachtet werden. Diese Perspektive eröffnet neue Möglichkeiten.

Göknur Bektas hat im Auftrag von BaselCircular untersucht, welche Materialien in den brennbaren Abfällen von Basler Unternehmen enthalten sind und welches Potenzial für eine bessere stoffliche Verwertung besteht. 

Um das Fazit vorwegzunehmen: Wer Abfälle als Ressource statt als Problem betrachtet, kann Kosten sparen, Prozesse verbessern und Materialien im Kreislauf halten.

Die Theorie der Kreislaufwirtschaft ist klar in der Priorisierung: zuerst vermeiden, dann wiederverwenden, dann recyceln. Erst wenn das alles nicht möglich ist, soll Material thermisch verwertet, also verbrannt, werden.

Unternehmen haben hierbei noch grosses Potenzial. Rund die Hälfte des in der Basler Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) verbrannten Materials stammt aus Industrie und Gewerbe. Gleichzeitig ist oft nicht genau bekannt, wie sich die brennbaren Abfälle aus den Betrieben zusammensetzen. Darin befinden sich häufig Wertstoffe, die eigentlich getrennt gesammelt und verwertete werden könnten. Sobald der Container geschlossen ist, verschwindet das Thema aus dem Blickfeld.

Der erste Schritt ist deshalb grundlegend: Unternehmer:innen müssen verstehen, welche Materialien im Betrieb überhaupt anfallen.

4 Dinge, die man im eigenen Unternehmen sofort prüfen kann:

  • Im Betrieb hinschauen: Wo fallen Abfälle und Wertstoffe in welchen Mengen an?
  • Kehricht analysieren: Welche Wertstoffe landen im brennbaren Abfall?
  • Expertise des Entsorgungsunternehmen einbeziehen: Welche Verwertungsoptionen gibt es?
  • Prozesse vereinfachen: Materialien direkt dort trennen, wo sie entstehen, und Mitarbeitende einbeziehen.

Bessere Trennung muss nicht mehr Aufwand bedeuten. Wenn Materialien am Entstehungsort gesammelt werden, sinken interne Transporte und Fehlwürfe. Gleichzeitig steigt die Qualität der gesammelten Wertstoffe.

Beispiele: Saubere, transparente Folien lassen sich gut recyceln. Dieser Wertstoff ist auch finanziell interessant für Unternehmen. Bunte oder gemischte Folien sind weniger wertvoll, umso mehr lohnt sich eine saubere Trennung. Ähnlich ist es bei Metallen: Wer hochwertige Metalle sauber trennt, erhält deutlich höhere Rückvergütungen.

Wo die grossen Potenziale liegen:

  • Saubere Kunststofffolien: Gut recycelbar und attraktive Vergütung.
  • Metalle getrennt sammeln: Hochwertige Metalle bringen deutlich mehr Erlös.
  • Materialverluste reduzieren: Weniger Verschnitt bedeutet weniger Kosten.
  • Gemeinsame Infrastruktur: Wenn Unternehmen Pressen oder Sammelsysteme teilen, ist die Investition dafür schneller amortisiert.

Aus Sicht der Kreislaufwirtschaft bleibt ein Fehlanreiz bestehen: Die Entsorgungskosten sind für viele Unternehmen im Verhältnis zu den gesamten Betriebskosten relativ tief. Deshalb erhält das Thema oft wenig Aufmerksamkeit. Dabei zeigt die Entsorgungsrechnung nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Kosten – die entsorgten Materialien wurden zuvor auch bereits eingekauft, transportiert und verarbeitet. 

Es geht darum, das Potenzial besser aufzuzeigen. Dieses liegt nicht nur im besseren Recycling, sondern auch in der Reduktion des Materialbedarfs. Vieles, was entsorgt wird, wurde schliesslich zuvor eingekauft. Wer Materialverluste reduziert, spart bereits in der Produktion respektive beim Einkauf.

Das Thema vertiefen? 👉 Hier den Bericht (4 Seiten) herunterladen 📋👀 oder das Gespräch von BaselCircular-Geschäftsleiterin Carole Tornay mit Göknur Bektas anhören 👇👂. Der Autor des Berichts erläutert darin weitere Potenziale und Erkenntnisse zum Umgang mit Reststoffen und Abfällen in Unternehmen:

Hier geht’s zur Webseite von GÖBEK und Göknur Bektas, die als Spezialisten diese Grundlagen erarbeitet haben.

Solche praktischen Informationen sowie inspirierende Lösungen aus der Kreislaufwirtschaft versenden wir monatlich als Newsletter. Jetzt abonnieren!