Kaspar Schlaeppi über die Marktrealität für zirkuläre Mode

Mode ohne den Einsatz zusätzlicher Materialressourcen: Die Rework AG verfolgt einen radikal zirkulären Textilien-Ansatz und hat Stores in Zürich, Lausanne, Bern und Basel.

Trotz des überzeugenden Konzeptes von Rework bleibt der Marktdurchbruch schwierig. Der Geschäftsführer Kaspar Schlaeppi erklärt, was die grössten Hürden und Herausforderungen sind – und was sich ändern müsste, damit eine zirkuläre Textilbranche Bestand haben kann.

Wie funktioniert der zirkuläre Mode-Ansatz von Rework konkret?

Kaspar Schlaeppi: Wir arbeiten im Prinzip wie klassische Modelabels – mit Design, Kollektionen und neuen Produkten. Der entscheidende Unterschied: Wir verwenden nach dem Prinzip des Upcycling keine neuen Materialien. Stattdessen zerlegen wir Secondhand-Kleidung, ändern sie ab, kombinieren sie neu und entwickeln daraus eigenständige Stücke.

Dieses Upcycling ist für mich die konsequenteste Form der Kreislaufwirtschaft. Wir greifen nicht auf neue Ressourcen zurück und schaffen trotzdem neue Mode. Nachhaltig sein allein reicht nicht, zirkuläre Mode muss auch ästhetisch und marktfähig sein.

Wieso ist Kreislaufwirtschaft im Textilbereich nicht längst state of the art?

Ich beobachte aktuell tatsächlich eher eine Stagnation – vielleicht sogar einen leichten Rückgang. Das liegt weniger am Produkt als am Marktumfeld. Der Retail steht generell unter Druck, online wie offline. Gleichzeitig ist das Secondhand-Angebot stark gewachsen, oft schneller als die Nachfrage.
Die grösste Herausforderung bleibt, neue Kundinnen und Kunden zu erreichen – also Menschen, die bisher keine Affinität zu Secondhand-Produkten haben. Wir und unsere Mitbewerber haben nur dann eine Chance, wenn sie als eine echte und attraktive Alternative zu Fast Fashion wahrgenommen werden.
Hinzu kommt eine gewisse Müdigkeit beim Thema Nachhaltigkeit. Viele Angebote wirken heute „ein bisschen nachhaltig“, womit sich viele Konsument:innen zufrieden geben und was es für konsequent zirkuläre Marken schwieriger macht, sich zu etablieren.

Was müsste sich ändern, damit zirkuläre Geschäftsmodelle sich in der Modebranche etablieren und einen relevanten Marktanteil erhalten?

Unsere grösste Herausforderung liegt nicht in der Produktion, sondern im Verkauf. Wir haben genügend Material, funktionierende Prozesse und ein attraktives Angebot. Was fehlt, ist Sichtbarkeit und Zugang zum Markt.

Deshalb denke ich heute anders als noch zu Beginn: Wahrscheinlich kommen wir um Regulierungen und bessere Rahmenbedingungen nicht herum. Etwa Anreize für Anbieter:innen von nachhaltigen Angeboten oder neue Modelle, damit es nicht nur die grossen Ketten in die Innenstädte schaffen. Wenn zirkuläre Unternehmen bessere Sichtbarkeit erhalten würden – etwa durch günstigere Ladenflächen oder gezielte Förderung – hätte das einen direkten Effekt. In der Politik und in privaten Initiativen sehen wir viel Bereitschaft für die Unterstützung der Transformation – nun müssen konkrete, umsetzbare Massnahmen kommen.

👉 Erfahre mehr über die Rework-Stores auf deren Webseite.

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