Anja Nieveler zur grenzüberschreitenden Kreislaufwirtschafts-Zusammenarbeit

Kreislaufwirtschaft in der Grenzregion: Wie KMU im Dreiländereck profitieren.

Die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft ist weltweit zentral, da der Ressourcenverbrauch stark gestiegen ist und übers Ganze gesehen immer noch kaum Materialien recycelt werden – zugleich bietet sie grosses Potenzial für mehr als 40% Emissionsreduktionen, 8 Millionen neue Arbeitsplätze und Innovationen. Die Kreislaufwirtschaft bietet gerade auch im Dreiländereck neue Chancen – wenn die Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg gepflegt wird. Anja Nieveler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Unternehmensführung der FHNW, erklärt, warum das Dreiländereck eine Schlüsselrolle bei der Schliessung von Kreisläufen einnimmt, welche Hürden KMU aktuell bremsen – und wie eine neue Unternehmensumfrage zeigen soll, wo Firmen heute stehen und was sie jetzt konkret tun können.

Warum ist grenzüberschreitende Zusammenarbeit für Kreislaufwirtschaft im Raum Basel so wichtig, Anja Nieveler?

Weil Wertschöpfung nicht an Landesgrenzen halt macht. Gerade die Region Basel, beispielsweis mit über 800 Life-Science-Unternehmen und enger wirtschaftlicher Verflechtung zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz, bietet enormes Potenzial. Viele Firmen arbeiten längst länderübergreifend – sei es mit Standorten, Lieferketten oder durch regulatorische Anforderungen. Für die effiziente Ressourcen-Nutzung, den Ausbau von Recycling oder das Schliessen industrieller Nebenstrom-Kreisläufe machen grenzüberschreitende Lösungen viel Sinn. Genau hier setzt unser Interreg-Projekt „Circular Synergies“ an – mit dem Ziel, die Wirtschaft am Oberrhein zukunftsfähig und nachhaltig aufzustellen.

Was bremst KMU heute noch – und wie setzt das Projekt dort an?

Oft fehlen konkrete Informationen, passende Netzwerke und der Zugang zu relevanten Beispielen – gerade für kleinere Unternehmen. Hinzu kommt: Es gibt kaum Daten, wie stark Unternehmen bereits grenzüberschreitend kooperieren oder welche Kreislaufstrategien sie umsetzen. Genau das wollen wir ändern. In unserem Interreg-Projekt führen wir derzeit eine umfassende Unternehmensumfrage durch. Dafür bündeln wir die grosse Erfahrung von mehreren Partner-Institutionen: BadenCampus, Circular Black Forest, das Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens sowie die Fachhochschule Nordwestschweiz. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es uns, eine fundierte Grundlage zu schaffen: Wo stehen die Firmen? Welche Hürden erleben sie? Welche Partnerschaften bestehen bereits – vielleicht sogar über die Landesgrenze hinweg? Dieses Wissen ist entscheidend, um gezielt neue Kooperationen und Unterstützungsangebote zu entwickeln.

Unternehmen in der Region sind aufgefordert, sich an der Umfrage zu beteiligen. Wieso lohnt sich das für KMU?

Die Erkenntnisse fliessen direkt in eine Studie, Veranstaltungen, Pilotprojekte und Arbeitsgruppen ein, in denen Lösungen für typische Herausforderungen entwickelt werden. Es entstehen daraus konkrete Projekte und Informationen für KMU. Wer mitmacht, profitiert zudem von einem starken Netzwerk, neuen Kontakten, Know-how und strategischer Vorbereitung auf kommende Markt- und Regulierungsanforderungen. Kreislaufwirtschaft wird zum neuen Wettbewerbsfaktor – gerade für Unternehmen, die frühzeitig mitgestalten.

👉 Hier geht’s zur Umfrage! Die Resultate daraus kommen der ganzen Wirtschaftsregion zugute.

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