Dorothee Schiesser über ihren kleinen Beitrag an die Gesundheit von Menschen in Not

Jährlich landen in Hotels Tonnen gebrauchter Seifen im Abfall – dabei könnten sie Leben verbessern. Dorothee Schiesser, die Gründerin von SapoCycle hat ein mehrfach wirksames Kreislaufprojekt etabliert. Der Verein bringt Hoteliers, soziale Institutionen und Menschen in Not zusammen. Im Interview verrät sie, warum feste Seife auch ein Statement für die Zukunft ist.

Wie entstand die Idee zu SapoCycle, Dorothee Schiesser?

Ich habe mit meinem Mann, einem Hotelier, darüber gesprochen, was sie im Hotel mit den Seifen machen, die die Gäste nur kurz benutzen. Seine Antwort: wegwerfen. Ich dachte mir: Das kann nicht sein, diese Seife kann man doch sinnvoll nutzen! Gleichzeitig wusste ich aus unserer Zeit in Kamerun, wie wertvoll Hygieneartikel für viele Menschen sind. Auch bei uns müssen sich Menschen manchmal entscheiden, ob sie mit dem vorhandenen Geld nun Lebensmittel oder Seife kaufen. Also habe ich versucht, diese Seifen zu erhalten. Mit Wohnwerk Basel haben wir begonnen, einen Prozess zu entwickeln, bei dem Menschen mit Beeinträchtigung die Seifen reinigen, verarbeiten und neu verpacken. Von dort gehen sie über Organisationen wie Cartons du Coeur, Schweizer Tafel oder Tischlein deck dich an Leute mit wenig Geld. Heute machen rund 100 Hotels in der Schweiz mit. Früher haben sie für die Entsorgung der Seifen bezahlt – heute leisten sie als Mitglieder von SapoCycle einen sozialen Beitrag.

Was hat sich in den letzten Jahren verändert – und wie reagiert ihr darauf?

Früher haben wir hauptsächlich feste Seifen erhalten. Heute setzen viele Hotels auf Flüssigseife in grossen Spendern – das ist für sie praktischer, aber leider nicht nachhaltig. Flüssigseife besteht zu 80 Prozent aus Wasser, dazu kommen Konservierungsmittel und die Plastikverpackung. Für uns bedeutet das: Weniger Hartseife. Aber wir bleiben flexibel, wir haben auch für die Flüssgseifen einen Prozess gefunden, der es uns erlaubt, die Seife weiterzugeben. Wir arbeiten auch mit Herstellern zusammen, die Restposten oder unverkäufliche Seifen – zum Beispiel wegen eines Farbfehlers – haben. So können wir weiterhin Hygieneartikel verteilen, auch wenn sich der Markt verändert.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von SapoCycle?

Ich wünsche mir, dass alle Menschen Zugang zu Seife und Hygieneartikeln haben – nicht nur hier, sondern auch in anderen Ländern. Deshalb setzen wir nach dem Prinzip des Social Franchising auch in Frankreich und Deutschland gleiche Vereine gegründet. Jedes Land organisiert sich selbst, arbeitet aber unter unserem Namen und gemäss unseren Werten. Wir haben auch Kontakte in Südeuropa und Afrika – vielleicht gibt es bald neue Standorte. Und ich hoffe, dass die Leute wieder mehr feste Seife verwenden. Die junge Generation macht es vor. Für mich ist Seife ein einfaches Produkt, das Grosses bewirkt. Und es macht mich stolz, dass wir in den letzten gut 10 Jahren schon 400’000 Seifen weitergeben und damit konkret helfen konnten – das wollen wir weiterhin tun.“

Hier geht’s zur Webseite von SapoCycle.

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