Drei Fragen an…

Carmen Bachmann über ReUse bei der Sanierung des Hauptsitzes der Rapp AG.

Beim Umbau des eigenen Hauptsitzes untersuchte die Rapp AG, welche Bauteile wiederverwendet werden können, setzte erste ReUse Massnahmen um und zeigte auf, wo ReUse in der Praxis momentan noch an Grenzen stösst.

Normalerweise berät die Rapp AG Bauherrschaften. Beim Hauptsitz «H100» – an der Hochstrasse 100 in Basel – ist das Unternehmen nun selbst Bauherrin. Vor dem Baustart wurden Bauteile auf ihr ReUse-Potenzial untersucht. Im Gespräch erzählt Carmen Bachmann, Leiterin Nachhaltigkeitsberatung, welche Erfahrungen Rapp dabei gesammelt hat, wo die Wiederverwendung an Grenzen stösst und was es braucht, damit ReUse im Bau selbstverständlicher wird.

Was genau hat Rapp bei der Reuse-Diagnostik am eigenen Hauptsitz untersucht?

Unser Hauptsitz «H100» wird aktuell saniert, dazu wird das Gebäude auf die Tragstruktur zurückgebaut und mit einer Holzaufstockung erweitert. Kreislaufwirtschaft ist Teil unserer Strategie. Deshalb wollten wir vor dem Rückbau untersuchen, welche Bauteile und Materialien sich wiederverwenden lassen – bei uns selbst oder in anderen Projekten. Gleichzeitig wollen wir daraus für unsere Tätigkeit als Beratungsunternehmen lernen. Für ReUse gibt es noch keine standardisierten Prozesse. Unter anderem haben Studierende der ETH und Teilnehmer:innen eines Weiterbildungsgangs des Vereins Cirkla bei uns Bauteile identifiziert und selbst ausgebaut. Dabei konnte geprüft werden, wie gut sie sichfür eine Wiederverwendung eignen. Zudem hat eine Genossenschaft bei uns vor Ort Bauteile ausgebaut, die sie für ein Neubauprojekt verwenden kann. Damit gelangen diese direkt vom Rückbau in eine neue Nutzung.

Welche Erkenntnisse haben Sie dabei gewonnen?

Wir müssen den ökologischen Nutzen stärker sichtbar machen. Deshalb haben wir bei unserem Projekt unter anderem CO₂-Bilanzierungen durchgeführt. So lässt sich aufzeigen, welches Potenzial bezüglich Materialeinsparung und Klimaschutz in der Wiederverwendung von Bauteilen steckt. Ob ReUse sinnvoll ist, sollte nicht nur in Schweizer Franken beurteilt werden, sondern eben auch in CO₂. Gleichzeitig braucht es gute Praxisbeispiele. Sie zeigen auch anderen, was bereits möglich ist, bauen Berührungsängste ab und helfen dabei, Abläufe zu verbessern. Entscheidend ist ausserdem die Nachfrage. Es gibt aktuell viele Projekte, die Bauteile abgeben möchten. Damit ReUse wirklich an Umfang gewinnen kann, braucht es ebenso Bauherrschaften und Projekte, die bereit sind, solche Bauteile wiederzuverwenden. Auch Netzwerke und der Austausch von Know-how sind wichtig, um voneinander zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und ein funktionierendes ReUse-Ökosystem aufzubauen, in dem Wissen gebündelt und Prozesse zunehmend standardisiert werden können.

Hier findest du Informationen der die Rapp AG zu nachhaltigem Bauen und Planen.

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