Drei Fragen an…

Marc Krebs über Plastik, das nicht im Meer landet.

Wenn Plastik einen Wert bekommt, bevor es im Meer landet: Das Schweizer Unternehmen Tide Ocean, gegründet in Basel, setzt genau da an: In Küstenregionen Südostasiens wird Plastik gesammelt, rezykliert und dient als Rohstoff für neue Produkte.

Tide Ocean Co-Founder Marc Krebs erzählt uns im Interview, warum es starke Partner auf beiden Seiten der Wertschöpfungskette braucht – und weshalb Wachstum für ein zirkuläres Startup nicht automatisch mehr Sicherheit bedeutet.

Plastikabfall als Rohstoff mit ökologischem, sozialem und wirtschaftlichem Wert – wie kam es zur Gründung von Tide Ocean?

Die Bilder von verschmutzten Ozeanen haben uns stark geprägt. Wir fragten uns: Was wäre, wenn wir dem Plastik einen Wert geben könnten, damit es gar nicht erst ins Meer gelangt? Heute sammeln und rezyklieren wir Plastik vor allem in Küstenregionen Südostasiens und bereiten das Material so auf, dass daraus wieder neue Produkte entstehen können.

Damit erzielen wir gleich mehrere Effekte: Wir reduzieren die Plastikverschmutzung, schaffen Arbeitsplätze vor Ort und führen einen bestehenden Rohstoff zurück in den Kreislauf. Entscheidend sind dabei starke lokale Partnerschaften. Wir können nicht mit einer Schweizer Idee irgendwohin gehen und erwarten, dass sie vor Ort einfach übernommen wird. Wir brauchen Partner, die unsere Ziele teilen und gleichzeitig die lokalen Gegebenheiten kennen. Heute haben wir Standorte unter anderem in Thailand und Malaysia.

Mit Sammeln und Recycling allein schliesst man noch keinen Kreislauf. Auch danach braucht es Partnerschaften, oder?

Ja genau, es braucht Unternehmen, die bereit sind, das Material einzusetzen und gemeinsam mit uns die Entwicklung voranzutreiben. Ein gutes Beispiel ist Caran d’Ache. Das Unternehmen benötigt laufend Kunststoff für seine Filzstifte und ist mit der Idee auf uns zugekommen, unser Recyclingmaterial dafür zu nutzen. Für beide Seiten war schnell klar: Das passt.

Entscheidend war, dass Innovation und Nachhaltigkeit bei Caran d’Ache von der Unternehmensführung getragen werden. Dies erleichtert solche Entwicklungsprojekte enorm. Von der ersten Idee bis zur Marktlancierung dauerte es nur zweieinhalb Jahre – für ein so spezifisches Produkt ist das relativ schnell. An anderen Projekten arbeiten wir seit fünf Jahren und wissen noch nicht, ob sie in zwei Jahren auf den Markt kommen. Kreislaufwirtschaft braucht deshalb nicht nur gute Produkte. Sie braucht auch Unternehmen, die bereit sind, gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

Ihr steht an der Schwelle vom Startup zum Scaleup. Wird es mit dem Wachstum einfacher?

Viele denken, dass es nach der Startphase irgendwann einfacher wird. Zwar sorgen grössere Kunden für mehr Umsatz. Doch wer skaliert, hat auch höhere Kosten und braucht zusätzliches Kapital, bevor das operative Geschäft diese Kosten tragen kann. So sind wir aktuell auf der Suche nach weiteren Investoren.

Und auch in der Wachstumsphase ist man nicht gefeit vor bösen Überraschungen, die man selbst kaum beeinflussen kann. Wir mussten beispielsweise unser Projekt in Mexiko auf Eis legen, weil es nicht wie geplant zum Fliegen kam. Die Nachfrage aus den USA brach stark ein, als Trump die Zölle ankündigte. In solchen Situationen muss man schnell reagieren, den Hebel umlegen und auch unangenehme Entscheide treffen. Wachstum bedeutet deshalb nicht automatisch, dass man ruhiger schläft.

Trotzdem sind wir überzeugt von dem, was wir aufgebaut haben. Wir haben den Proof of Concept erbracht, gemeinsam mit 90 Kunden Produkte auf den Markt gebracht und viel positives Feedback erhalten. Das sind für uns Beweise, dass die eigene Idee in der Praxis funktioniert.


Lieber schauen und hören als lesen? Schau dir das Interview auf Youtube an:

Zur Partnerschaft von #tide® und Caran d’Ache hat die Basler Zeitung einen Artikel veröffentlicht.

Mehr über die Partnerschaft erfährst du auch auf der Webseite von Caran d’Ache.

Zur Firmenwebseite von #tide® geht’s hier.

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