Medienmitteilung des Organisationskomitees des FULL CIRCLE Symposiums
Wie lassen sich Materialien länger nutzen, regionale Kreisläufe schliessen und zirkuläre Geschäftsmodelle wirtschaftlich skalieren? Mit diesen Fragen beschäftigten sich mehr als 180 Teilnehmende am zweiten Full Circle Symposium in Basel. Nach der Entwicklung gemeinsamer Visionen bei der ersten Durchführung 2025 stand 2026 die konkrete Umsetzung im Zentrum.
In acht Deep Dives arbeiteten Fachpersonen aus Unternehmen, Hochschulen, Start-ups, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft an praxisnahen Fragestellungen aus realen Wertschöpfungsketten. Die Themen reichten von industriellen Lösungsmittelkreisläufen, zirkulären Geschäftsmodellen und nachhaltigem Design über regionale Ernährungssysteme und künstliche Intelligenz bis zu Textilien, Unternehmenspraxis sowie Architektur und Bau.
Kooperation als Schlüssel zur Skalierung
Über alle Themenfelder hinweg zeigte sich eine zentrale Erkenntnis: Die grössten Hebel liegen nicht in einzelnen Technologien, sondern im Zusammenspiel von Kooperation, Innovation, Digitalisierung und systemischem Denken. Zirkuläre Lösungen können nur dann Wirkung entfalten, wenn Unternehmen, Forschung, öffentliche Hand und Zivilgesellschaft über Organisations- und Branchengrenzen hinweg zusammenarbeiten.
Die internationalen Impulse von Guy Vincent von Amsterdam Circular und Christopher Kronenberg von der FH des BFI Wien unterstrichen diese Erkenntnis. Das Beispiel Amsterdam zeigt, wie sogenannte «Chain Orchestrators» die notwendigen Akteur:innen entlang ganzer Wertschöpfungsketten zusammenbringen. Wien verdeutlicht, wie Regulierung, öffentliche Beschaffung, Finanzierung, Innovation und messbare politische Ziele ineinandergreifen müssen, damit aus Pilotprojekten wirksame Systeme entstehen.
Kreislaufwirtschaft erweist sich dabei zunehmend als wirtschaftlicher Wettbewerbsfaktor: Sie stärkt regionale Wertschöpfung, reduziert die Abhängigkeit von Primärrohstoffen und erhöht die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten.
Konkrete Handlungsfelder für die Region Basel
Die Deep Dives identifizierten eine Reihe von Ansätzen, die nun weiterverfolgt werden können. Dazu gehören regionale Lösungsmittelkreisläufe für die Chemie- und Life-Science-Industrie, neue Rücknahme- und Dienstleistungsmodelle, reparierbare und demontierbare Produkte sowie ein vernetzter Food Production Hub für die Region.
Weitere Schwerpunkte bilden digitale Produktpässe und KI-gestützte Materialdaten, praxisnahe Pilotprojekte für Unternehmen, eine erweiterte Produzent:innenverantwortung für Textilien sowie die Wiederverwendung bestehender Gebäude und Bauteile. Öffentliche Beschaffung, gemeinsame Datenstandards und koordinierende Stellen können die Umsetzung zusätzlich beschleunigen.
Die Workshops machten zugleich deutlich, dass Kreislaufwirtschaft keinen vollständigen Neustart erfordert. Unternehmen können mit der Analyse bestehender Produkte und Prozesse beginnen, konkrete Material- und Wertverluste identifizieren und erste Verbesserungen in überschaubaren Pilotprojekten erproben.
Basel als Modellregion für Kreislaufwirtschaft
Die Region Basel vereint international tätige Unternehmen, innovative KMU, exzellente Hochschulen, engagierte Start-ups und eine innovationsorientierte öffentliche Verwaltung. Diese hohe Dichte an Kompetenzen schafft ein starkes Ökosystem für die Entwicklung und Umsetzung zirkulärer Lösungen.
Das Full Circle Symposium trägt dazu bei, diese Akteur:innen zu vernetzen, gemeinsame Lernprozesse zu ermöglichen und neue Partnerschaften anzustossen. Der Ergebnisbericht 2026 dokumentiert die Erkenntnisse der acht Deep Dives und zeigt die nächsten Schritte auf dem Weg von einzelnen Initiativen zu wirksamen, skalierbaren Systemen.
Die Veranstalter:innen Ralf Michel und Tina Haisch fassten es so zusammen: «Die Kreislaufwirtschaft ist keine technologische Einzelaufgabe, sondern ein gemeinsamer Innovations- und Veränderungsprozess. Basel hat die Kompetenzen und die Partnerschaften, um diesen Wandel aktiv zu gestalten und international sichtbare Lösungen zu entwickeln.»
Weitere Informationen
Der vollständige Ergebnisbericht «Full Circle 2026 – vom Dialog zur Wirkung» ist hier zum Download verfügbar.
Medienkontakt
Tina Haisch, FHNW, Hochschule für Wirtschaft; tina.haisch@fhnw.ch