Kreislauf-Kopf des Monats

Vom Restmaterial zum Unikat

Restmaterialien gelten in vielen Schreinereien als unvermeidbarer Abfall. Für Florian Oeschger sind sie der Ausgangspunkt neuer Möbel und eines Wertstoffkreislaufs, der Materialien und die bereits investierte Energie möglichst lange erhält.
Florian Oeschger in der Restemöbel-Werkstatt

Es ist ein Problem, das praktisch jede Schreinerei kennt: Nach einem Auftrag bleiben oft ungebrauchte Plattenreste zurück. Weil Format oder Farbe für andere Aufträge nicht passen oder der Lagerplatz fehlt, werden sie irgendwann entsorgt, obwohl das Material qualitativ einwandfrei ist. Dabei ist bereits Energie in die Herstellung der Plattenwerkstoffe geflossen. «Es ist eigentlich verrückt, wenn man diese Energie einfach so durch den Ofen lässt», fand Florian Oeschger und begann sich mit dem Thema Restmaterial in Schreinereien auseinander zu setzen mit dem Ziel, dieses Material zu retten. Gespräche mit anderen Schreinereien bestätigten rasch seinen Eindruck: Überall fallen Restmaterialien an, für die im hektischen Arbeitsalltag kaum Zeit bleibt, neue Anwendungen zu entwickeln.
Die Idee für Restemöbel entstand während einer persönlichen Neuorientierung. Zunächst gab es keinen Businessplan, sondern lediglich erste Experimente mit Restmaterial. Was für viele Schreinereien Abfall ist, sieht unser Kreislauf-Kopf des Monats als wertvollen Rohstoff. Mit seinem Projekt Restemöbel verwandelt der Schreiner Restmaterialien in neue Möbel. So bleiben Materialien länger im Umlauf.

Design folgt dem Material

Heute arbeitet Restemöbel mit Schreinereien sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz zusammen. Die Betriebe stellen Restmaterial zur Verfügung oder fertigen daraus einzelne Bauteile, die in der Werkstatt von Florian Oeschger und seinem Geschäftspartner Markus Schier zu neuen Möbeln zusammengefügt werden. Dabei gilt ein anderes Prinzip als im klassischen Möbelbau: Nicht das Material wird passend zum Entwurf bestellt, sondern der Entwurf orientiert sich an dem vorhandenen Materialangebot. Florian Oeschger bezeichnet diesen Ansatz als «Design by Availability». Farben, Oberflächen und Kombinationen entstehen aus vorhandenen Materialien. Dadurch wird jedes Möbel zum Unikat. So entstehen Bänke, Sideboards, Tische oder Wäschetürme mit Namen wie «Listelli» oder «Zaf». (Dieser Tisch verdankt seinen Namen übrigens Ziege und Schaf, weil das erste Exemplar schwarz-weiss war.)
Über die Jahre hat Restemöbel verschiedenee Ansätze entwickelt, um Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten: Kleinmöbel entstehen aus Restplatten, die vorerst als modulare «Circular Elements» vorbereitet und erst nach einer Bestellung individuell kombiniert werden. Für Küchen und Einbauschränke werden energieintensive HPL- oder Linoleumreste auf neue Trägerplatten aufgebracht. Und bestehende Möbel dienen als Rohstofflager: Sie werden zerlegt und zu zeitgemässen Produkten weiterentwickelt.
Auch die Konstruktionen der Möbel haben sich in den vergangenen sieben Jahren einige Male verändert. Heute sind die Möbel modular so aufgebaut, dass sie sich einfach reparieren, anpassen oder zerlegen lassen. «Wenn man sich stärker mit dieser Thematik auseinandersetzt, dann ergibt es Sinn, dass man Sachen zerlegbar und reparierbar konstruiert.»

Perspektiven für die Kreislaufwirtschaft

Für Florian Oeschger endet Nachhaltigkeit nicht beim guten Willen. Kreislaufwirtschaft muss sich auch wirtschaftlich tragen. Für die Restmaterialien oder verarbeiteten Circular Elements, die in Schreinereien abgeholt werden, bezahlt Restemöbel eine Aufwands Entschädigung. Langfristig soll ein selbsttragendes System entstehen. Auf dem Weg dorthin entwickelt Florian Oeschger Restemöbel kontinuierlich weiter. Neue Lösungen entstehen durch Ausprobieren und werden immer wieder angepasst. Weil Restemöbel eine Werkstatt unterhält und wirtschaftlichen Zwängen unterliegt, ist es ein Weg der kleinen Schritte, der das Testen immer wieder neuer Ansätze am Markt erfordert. Am Ziel ändert das nichts: Restmaterialien sollen möglichst lange genutzt werden und für die beteiligten Betriebe einen Wert behalten.

Im Video erfährst du mehr über den Lösungsansatz von Restemöbel und siehst Beispiele:

Informationen zur Unternehmensphilosophie und dem Angebot von Restemöbel gibt’s auf der Firmen-Webseite.

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